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Aktuelle Seite: Einführung von M. C. Holter
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Maria Christine Holter

Einführung in das Werk von Walter Angerer Niketa

Die Hand vorsichtig über glatt polierte, scharfkantige Steinskulpturen gleiten lassen. Über die sanfteren Abschrägungen eines mathematisch ausgeklügelten Holzobjekts streichen. Einer eleganten Metallplastik förmlich beim „Abheben“ zusehen oder den Schwebezustand eines minimalistischen Gemäldes genießen. Nichts kann die direkte Begegnung mit einem Kunstwerk ersetzen. Und doch vermag Ihnen der Besuch dieser Website das reiche Werk des Bildhauers, Malers und Grafikers Walter Angerer-Niketa näherzubringen und es für Sie buchstäblich „plastisch“ werden zu lassen. 

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass sich eine Reise durch das Universum dieses Künstlers, dessen Beiname Niketa aus dem Sanskrit „Tempel” bedeutet, lohnt. Seit vielen Jahren darf ich Angerer-Niketas herausragendes Œuvre mit Gedanken und Texten begleiten, zu Lebzeiten des Künstlers noch in regem Austausch mit Walter selbst. Mit feinem Humor und einem verschmitzten Lächeln pflegte er den aktuellen Kunstbetrieb, aber auch seine eigenen Werke bis ins hohe Alter scharfsinnig zu kommentieren. Das geistige Fundament für seine Arbeit bildete die Beschäftigung mit der Philosophie des Existenzialismus und der Mythologie des alten Ägyptens. Die Gesetzmäßigkeiten der Mathematik formten sein zweidimensionales und dreidimensionales Werk ebenso, wie seine Vorliebe für die Improvisations- und Variationskünste des Jazzmusikers Miles Davis. 

Aus kunsthistorischer Sicht sind die Anfänge von Walter Angerer-Niketa im Umfeld der Wiener Akademie der bildenden Künste als Schüler von Josef Pillhofer und Fritz Wotruba zu verorten. Dies ist umso bemerkenswerter, als seine durch eine schwere Krankheit im Kindesalter zeitlebens eingeschränkte Physis eine Bildhauerkarriere paradox hatte erscheinen lassen. Mit Disziplin durchbrach Angerer-Niketa jedoch diese Grenzen und formte in den autonomen Schaffensperioden unbeirrt an einem eigenständigen künstlerischen Ausdruck, der von einer minimalistischen und neokonstruktivistischen Formensprache geprägt ist. Die Gegensätze von Stabilität und Instabilität, Symmetrie und Asymmetrie oder die scheinbare Schwerelosigkeit in seinem Werk mögen Verweise auf die eigene, fragile Körperlichkeit des Künstlers sein. Für die Betrachterinnen und Betrachter bestechen sie als Resultate künstlerischer Meisterschaft in der Behandlung der Materie – des zeitlosen, ewigen Steins, des fein gemaserten Holzes, des glänzenden Stahlblechs oder der reduziert gesetzten Farbe. 

Dank der umsichtigen Arbeit von Marija Angerer, der Tochter des Künstlers, und ihres Teams kann Walter Angerer-Niketa in diesem digitalen Medium weiterhin durch seine Kunst zu uns sprechen. Viel Freude damit! 

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